Taufkirchen: Geothermie transparent

Seit Ende 2013 liefert die Geothermiezentrale in Taufkirchen umweltfreundliche Wärme aus Geothermie, seit März dieses Jahres nun auch Strom. Ein willkommener Anlass für die Eigentümer GeoEnergie Taufkirchen (GET) und Gemeindewerke Oberhaching (GWO), die Anlage mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Veranstalter hatten sich dazu einen attraktiven Mix aus Information und Unterhaltung und ein vielseitiges Programm für Jung und Alt einfallen lassen, schließlich galt es, der Konkurrenz in Form des zweiten Wiesn-Samstags zu begegnen.

„Sparen Sie nicht mit Weihwasser“, bat GWO-Geschäftsführer scherzhaft die zur Segnung der Anlage eingeladenen Geistlichen, denn die Geothermie sei immer noch eine relativ junge Technik, die „jegliche Unterstützung von oben“ gut gebrauchen könne. Die auf Hümmer folgenden Festredner indes sparten nicht mit Lob über die Geothermie. Von rund 26 auf über 43 Prozent sei der Anteil der regenerativen Energien an der Stromerzeugung seit 2010 gestiegen, sagte die Bayerische Staatsministerin Kerstin Schreyer. „Das ist wichtig und erfreulich, denn der Atomausstieg muss über die erneuerbaren Energien kompensiert werden und hierbei spielen Kommunen und Anlagen wie jene in Taufkirchen eine tragende Rolle.“ 

Als „fantastischen Landkreis in Sachen Geothermie“ bezeichnete Landrat Christoph Göbel den Landkreis München, schließlich befänden sich 19 der derzeit 23 bayerischen Geothermieanlagen im Münchner Umland und viele weitere stünden in den Startlöchern. „Hier in Taufkirchen kommt ein weiteres beachtliches Projekt hinzu“, sagte Göbel und lobte die Leistung der Gemeinde Oberhaching, die in relativ kurzer Zeit ein Fernwärme- und Glasfasernetz mit 50 Kilometern Länge aufgebaut habe.

Bürgermeister Stefan Schelle, in Zweitfunktion als Tubaspieler der Deisenhofener Blaskapelle bei der Veranstaltung aktiv, dankte allen am Projekt Beteiligten für den Einsatz und die erfolgreiche Arbeit und freute sich, dass der Gemeinderat das Projekt stets weitestgehend einstimmig begleitet habe. „Hier wurden insgesamt über 120 Millionen Euro investiert und wir haben das aus Überzeugung und für die kommenden Generationen getan“, so Schelle, „damit haben wir aber nur die Voraussetzungen für den Kampf gegen den Klimawandel geschaffen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Bürger die geschaffene Infrastruktur auch nutzen und jeder seinen persönlichen Beitrag leistet.“

Mit der ökumenischen Segnung durch Pfarrer Rüdiger Karmann vom katholischen Pfarrverband und Pfarrer Gerhard Eber von der evangelischen Kirchengemeinde endete der offizielle Teil der Veranstaltung. „Wir sind dankbar für die Innovationsfähigkeit des Menschen, die hier einmal mehr bewiesen wurde“, sagte Karmann, „auch hier hat Gott die Menschen begleitet, um alles zum Guten zu führen.“

Im Informationsblock des Tags der offenen Tür gab es zahlreiche Führungen durch die Geothermieanlage, eine Posterausstellung zur Geologie und Technik der Geothermie sowie Auskünfte über die drei Hauptaktivitäten der GWO, die `Oberhachinger Wärme´, den `Oberhachinger Strom´ und den Bau des Glasfasernetzes, dessen Betreiber und Diensteanbieter Inexio ebenfalls mit einem Stand vertreten war.

Für das leibliche Wohl sorgten unter anderem ein Team des „mathe macchiato“, der Cafeteria des Gymnasiums Oberhaching, die örtliche Brauereigenossenschaft mit ihren Bieren und ein rege frequentierter Hendl- und Bratwurststand. Kinder konnten das Vorfeld der Geothermieanlage auf einer Bockerlbahn erkunden oder in der `Schule der Phantasie´ malen und basteln.

Nachdem vor allem  die Führungen in der Anlage reges Interesse fanden, wird den interessierten Mitbürgern zunächst bis Jahresende monatlich eine Führung durch die Geothermiezentrale angeboten. Vorgesehen sind der 25. Oktober, 29. November und 20. Dezember. Anmeldungen werden gerne entgegengenommen unter Telefon 62299499-13 (Tommaso Nisi)  oder -19 (Jil Köcher).

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„Atomausstieg muss durch erneuerbare Energien kompensiert werden“ – Staatsministerin Kerstin Schreyer
„Fantastischer Landkreis in Sachen Geothermie“ – Landrat Christoph Göbel
„Aus Überzeugung und in Verantwortung für die kommenden Generationen gehandelt“ – Bürgermeister Stefan Schelle
Die Geothermieanlage läuft ab sofort mit göttlichem Segen: Pfarrer Rüdiger Karmann (links) und Pfarrer Gerhard Eber (rechts)
Lebhaftes Interesse an der Technik der geothermischen Stromerzeugung